Pleiten, Pech und Pannen

10.10.   17:41

Liebe Lena,

habe gestern vor dem Schlafengehen doch noch mal ins Postfach geschaut und bin direkt belohnt wor­den. Mal wieder ein richtiges Lena-O-Ton-Statement. Genau die Art, die ich liebe (das ist ernst gemeint). Ich hoffe, Du hast noch mehr davon auf Lager, aber ich befürchte, der Vorrat ist endlich. Ne, ne, meine Liebe, ich verwechsle da nichts, das waren wir zusammen mit dem Kleid (auch wenn Du mich gerne zum Casanova stilisieren möchtest, der seine Verflossenen alle durcheinanderbringt; hat aber nichts mit der Realität zu tun). Ich vermute auch, es war in B.. Und da Du sowieso kein Kleid-Fan bist, hatte ich es sicher schwer, Dich von irgendetwas zu überzeugen. Dir wird nichts gefallen haben, man kennt das ja ("das steht mir nicht, das sieht doch unmöglich aus, dafür bin ich zu dick, der Schnitt ist unvorteilhaft" etc.). Macht aber nichts. Immerhin hast Du die Kette noch. Die müßte ich Dir von meinem Ostpreußen-Trip (mit meiner Mutter und der Ente!) mitgebracht haben.

Wenn ein Außenstehender unseren Briefwechsel lesen würde, würde er sich sicher fragen, was wir eigentlich aneinander gefunden haben. Insbesondere mein Agieren war ja wohl eine Serie von Pleiten. Ich habe Dich dann anscheinend sogar genötigt, eine miese Möhrensuppe (wohl mit "ganzen Stücken" ...) zu verpeisen, anstatt Dich ordentlch zum Essen einzuladen. Ich versuche gerade, mir Dein pikiertes Gesicht vorzustellen und wie Du Dir das Zeug dann irgendwie reingezogen hast. Hier bin ich meiner Ver­gesslichkeit natürlich dankbar ... Andererseits haben meine Möhrensuppen eigentlich immer gut geschmeckt und ich bin von meinen Kochkünsten im Allgemeinen recht überzeugt, auch wenn ich mich da eher selten engagiere. Keine Ahnung, warum diese Performance so mißglückt ist. Meine Ausrüstung war sicher nicht die Beste. Wahrscheinlich war ich zu verliebt und Deine Anwesenheit hat mich zu sehr beschäftigt oder gar verunsichert, um mich auf das Kochen konzentrieren zu können. Manchmal wundert es mich schon, daß Du nicht schreiend davongerannt bist.

Aber eigentlich liegt auch ein gewiser Trost in meinem Fehlverhalten. Du hättest es mit mir wahrschein­lich sowieso nicht lange ausgehalten. Ich denke tatsächlich, daß es nicht gerade einfach ist, länger mit mir zusammenzuleben. Ich habe leider eine Reihe von Macken (Du kennst einige von Ihnen), die der Gemeinsamkeit nicht unbedingt förderlich sind. Ich muß meiner Frau insofern dankbar sein, daß sie das aushält, einfach ist es sicher nicht immer. Aber ändern kann man sich ja auch nicht mehr so einfach.

So, mit diesen grüblerisch-melancholischen Einsichten verabschiede ich mich für heute aus der nordhes­sischen Pampa und wünsche Dir ein schönes Wochenende.

Dein Johann

http://youtu.be/_qphknagXqA