Re: Entzug

 

 

Betreff: Re: Entzug

04.04.  15:03

Hallo Häschen,

Ich kann Dir im Prinzip in allen Punkten zustimmen… aber schmunzeln musste ich schon - das hatten wir schon mal, dass Du von mir wolltest, dass ich Vorschläge für Treffen kategorisch ablehnen sollte… und süß auch, dass Du mir in derselben Mail direkt ein Treffen vorschlägst…Ich fürchte, dass ich da im Moment genau die Falsche bin, die Du aufforderst, Treffensvorschläge zu ignorieren… Ich hatte schon überlegt, Dir den Link zum Hauptstadtkongress der Anästhesisten zu schicken ;-) Und auch bei Pina hatte ich mich gefragt, wie ich es organisieren könnte. Aber Du hast Glück, denn ich glaube, es lässt sich gar nicht realisieren. Ich könnte nur Freitag vormittags in nächster Zeit und da kannst Du ja zum Glück nicht. :-) und Treffen ohne Anfassen klingt utopisch ;-) Also am besten sein lassen… ;-)

Ich hoffe, Dich erschlägt die liegengebliebene Arbeit nach dem Urlaub nicht. Ich hatte heute schon wieder einen tollen Start in meinem tollen Job, aber es ist zum Glück alles gut gegangen (ich bin ja auch schon ein alter Anästhesisten-Hase…)

Der Urlaub  war schön, aber Linus ist zur Zeit auch verdammt zickig, was es etwas anstrengend gemacht hat… Ansonsten habe ich es sogar geschafft, etwas abzuschalten von meinen beiden Dauerthemen… (waren aber beide ziemlich schnell wieder sehr präsent…)

Auf der Rückfahrt haben wir mal wieder den Sängerkrieg der Heidehasen gehört, daher hier mal der Link dazu

: www.youtube.com/watch?v=1CWw3Y6amCI

Liebe Grüße aus M.

Lena

 

 

Betreff: Re: Crack

04.04.  16:17

"Scheißdreck, ich hätte die Finger davon lassen sollen"

Das denke ich auch sehr oft ... :-(

 

 

Betreff: Re: Entzug

04.04.   17:41

Das hört sich doch alles gut an. Nicht realisierbare Treffen sind für uns derzeit einfach das Beste ;-).

Die Woche hat eigentlich beschissen angefangen: da einige Kollegen mehr oder weniger zufällig und zum Teil längerfristig ausfallen (klinisches Jahr etc.), muß alles wie üblich auf die Anderen verteilt werden, man ertrinkt also in Patientenversorgung. Außerdem hat  meine wankelmütige Mitarbeiterin, die sich gerade erst zum Bleiben entschieden hat, jetzt doch beschlossen, einen PhD in Amsterdam zu machen und uns zu verlassen. Damit sind alle diesbezüglichen Investitionen, Pläne und Projekte über den Haufen geschmissen und müssen neu gedacht werden. Oder bleiben einach liegen. Das sind so Montage, wie man sie liebt.

Im Urlaub habe ich übrigens einen Anruf aus dem Dekanat in M. bekommen, daß sie mich erwartungsgemäß mit zwei anderen Kandidaten am 26.4. zur Vorstellung einladen. Ich bin gespannt. Ein besonderes Highlight dieses Schaulaufens wird sein, morgens früh ein Thema für einen Lehrvortrag zugelost zu bekommen, den man dann wenig später, quasi ohne Vorbereitung, halten soll. Man hat ja sonst schon keine Schmerzen ;-).

Dir eine entspannte After-Work-Zeit :-)

PS: was ist denn das zweite Dauerthema ? (Berufswechsel?)

 

 

Betreff: Re: Entzug

04.04.   18:38

> Das hört sich doch alles gut an. <  Das hört sich eigentlich alles überhaupt nicht gut an... :-(

> PS: was ist denn das zweite Dauerthema ? (Berufswechsel?)  Sekundäre Sterilität. Ich bekomme gerade wieder meine Tage ... Ich sollte also die nächsten Tage vielleicht nicht so viel schreiben und schon gar nicht auf die "Sinn des Lebens"- Mail antworten ... Meine Laune ist gerade nicht besonders gut, nenne das Syndrom wir Du willst. Aber Berufswahl ginge natürlich auch noch als drittes Thema, stimmt. Mein nächster Dienst ist aber erst am 23., frag mich dann nochmal ...

Bei uns fallen gerade auch einige für die Dienste aus - einmal Elternzeit für 2 Monate und eine Kollegin ist wieder schwanger. Ich freue mich schon sehr auf die ganzen lustigen, obligatorischen "na, wann wirst du denn schwanger ...?!"- Fragen ...

Am Ende landest Du doch wieder in M., wer weiß ;-) ich wäre ja am 26. gerne im Hörsaal ;-))) und passend geht es dann am 27. schon wieder nach Berlin, oder? Du bist echt viel unterwegs...

 

 

Betreff: Re: Entzug

04.04.   19:26

Immerhin hatte ich die Ehre, mal wieder Häschen genannt zu werden. Das hat mich etwas aufgebaut ;-).

> Sekundäre Sterilität. >. Stimmt. Hatte ich direkt erfolgreich verdrängt. Ich drücke Dir jedenfalls da schon seit Wochen ganz fest die Daumen und bin verhalten optimistisch. Du wirst das letztlich irgendwie schaffen.

> Du bist echt viel unterwegs... <. Ja, manchmal schon. Aber so spaßig ist das nicht (abgesehen davon, wenn man Ex-Freundinnen in Hotels trifft ...). Habe gerade versucht, diese M.-Berlin-Sache an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu organisieren. Von M. komme ich per Zug wegen dieser ICE-Sperrung zwischen K. und H. gar nicht weg. Also mit dem Auto nach M., abends zurück und dann am nächsten Morgen mit dem Zug ganz ganz früh nach Berlin. Hört sich nicht gut an. Und Du kannst mir diese Reise ja offensichtlich auch nicht versüßen ;-).

Betreff: Sinnvolles und Sinnloses

04.04.   22:37

Meine Liebe,

mir ist heute Abend schmerzlich bewußt geworden, daß ich Deinen langen Brief aus Dänemark noch gar nicht beantwortet habe, was ich hiermit nachholen möchte. Habe ihn inzwischen gleich mehrmals gelesen, weil ich von Deinen Worten wie so oft ziemlich berührt war. Ich hätte es tatsächlich genauso schreiben können, es sind ungefähr die gleichen Gedanken und Befürchtungen, die ich auch habe. Die gleiche Irritation, die gleichen Zweifel. Und jede dieser Nachrichten von Dir macht es schlimmer. Den süffisanten Unterton hatte ich schon rausgehört, aber einfach mal ignoriert, weil es ja auch so ein Thema ist. Das Video dazu ist recht cool; den Song habe ich schon mal gehört, zumindest kam er mir bekannt vor. Jetzt ist es ein neuer Ohrwurm in meinem Kopf, obwohl mich diese Deine Botschaft natürlich bedrückt. Geradezu Schuldgefühle auslöst. Ein verzweifelter Hilferuf. Nach dem ersten Hören dachte ich mir, daß ich Dich besser einfach in Ruhe lassen sollte. Es wäre wohl das Beste (und ist zugleich das Schwierigste).

Unsere beiden Treffen waren ein Experiment (an ein Weiteres denke ich gerade nicht, aber wer weiß, was noch kommt .... Und schließlich ist das Alles irgendwie ein ziemliches Experiment ...) und schon, als ich es das erste Mal vorschlug, war klar, daß die Folgen schwer vorherzusehen oder zu kontrollieren sind. Ich habe aus diesem Experiment vor allem gelernt, daß sich zwischen uns nicht viel geändert hat und wir jederzeit dort weitermachen könnten, wo wir vor 15 jahren aufgehört haben. Ein bißchen reifer, ein bißchen mehr Einsicht vielleicht (vielleicht …), was uns wichtig und unwichtig ist, aber im Grunde passt es immer noch sehr gut. Diese Nähe und diese Sehnsucht waren bei mir aber auch schon vor dem Treffen da, sie beruhen nicht allein auf körperlichen Aspekten; durch die Treffen ist aber nun nochmal alles sehr viel intensiver und direkter geworden.

Ich denke sehr oft an diese drei Nächte mit Dir und dieses beglückende Gefühl. Und ich denke auch oft, warum ich es nicht einfach dabei belassen kann. Das genießen, was wir hatten und von der Erinnerung zehren. Warum immer mehr haben wollen? Wir haben es ausprobiert, es hat geklappt. Eine schöne Episode. Eine schöne Erfahrung. Wissen, was möglich ist oder was möglich wäre. Selbst, wenn wir uns nie mehr wiedersehen sollten, ja selbst, wenn wir den Kontakt erneut komplett abbrechen würden, wäre dieser Austausch und diese Erfahrung mit Dir alles wert gewesen und ungemein bereichernd für mich. Du hast mir sehr viel gegeben.

Ich finde es nach wie vor schwer, ein einigermaßen objektives oder wahres Bild der Gefühle und Motivationen von der Zeit vor 15 Jahren zu rekonstruieren, doch ich glaube wirklich, daß Du damals meine Nummer Eins warst, auch wenn ich offiziell mit Irena zusammen war und es sich deshalb für Dich wohl nie so angefühlt hat. Aber es stimmt, wir hatten das Pech, bei unseren Begegnungen niemals beide zugleich ganz frei zu sein. Ich stelle mir vor, wie das sein würde. Vermutlich ein sehr ekstatisches Gefühl: keine Hindernisse, nichts, auf das man Rücksicht nehmen müßte, keine Heimlichkeiten, keine Grenzen. Ein sehr schöner Gedanke.

Aber was können wir nun tun? Ich weiß es auch nicht. Ideen habe ich manchmal, aber die sind alle unrealistisch. Und ich versuche, dem Idealist hier keinen Raum zu geben. Eine gemeinsame Zukunft als Paar kann es derzeit aus vielen, vielen Gründen nicht geben. Obwohl ich nicht leugnen will, daß ich mich gelegentlich bei solchen Gedankenspielen ertappe. Mir ein gemeinsames Leben mit Dir vorstelle. Oder besser bestimmte Episoden eines gemeinsamen Lebens. Aber das kann in dieser Form derzeit wohl nur eine Utopie sein. Ich fürchte, wir müssen entweder eine Beziehung zueinander finden, die mit unserem anderen Leben irgendwie kompatibel ist oder uns erneut trennen. Was hart wäre. Sehr hart sogar. Dich ein zweites Mal verlieren ist das Letzte, was ich mir gerade vorstellen möchte. Ich habe das vor 15 Jahren schon nicht ganz aus eigenen Stücken geschafft, sondern nur durch Passivität, und auch dieses Mal wäre es wohl Deine Aufgabe, das umzusetzen ... ;-).

Zum Ausklang des Tages ein romantisches Lied von einem meiner (vielen) Lieblinge

www.youtube.com/watch?v=q6Em1h6gXVU

Gute Nacht

 

 

Betreff: Re: Entzug

04.04.   22:49

> Immerhin hatte ich die Ehre, mal wieder Häschen genannt zu werden. Das hat mich etwas aufgebaut. <

Es freut mich immer, wenn ich es schaffe, wenigstens die anderen aufzubauen, selbst wenn ich mies drauf bin… :-p

> Stimmt. Hatte ich direkt erfolgreich verdrängt. <  Du bist echt erstaunlich. Diese Konstellation finde ich ja eigentlich total absurd und würde das niemals vergessen.

> Ich drücke Dir jedenfalls da schon seit Wochen ganz fest die Daumen und bin verhalten optimistisch. Du wirst das letztlich irgendwie schaffen. <  Das finde ich ja ehrlich gesagt auch irgendwie komisch - ich kann mir nicht so wirklich vorstellen, dass man seiner Ex, mit der man wieder was hatte und der man „Entzug“-Mails schreibt, die Daumen drückt, dass sie endlich ihre Familie erweitert ... Ich erwarte da von Dir jedenfalls keine besondere Höflichkeit.

Davon abgesehen bist Du anscheinend deutlich optimistischer als ich, aber das kann man vielleicht auch einfach, wenn man nicht seit über zwei Jahren jeden Monat frustriert wird und tatsächlich irgendwann die Uhr ticken hört. Ich glaube da jedenfalls immer weniger dran - voilà, da ist sie wieder, die Pessimistin...

Wünsche dem Häschen eine angenehme Nachtruhe

Deine Lena

 

 

Betreff: Re: Sinnvolles und Sinnloses

04.04.   23:53

Mein Lieber,

ich habe eben mal wieder eine Mail rausgehauen, ohne gesehen zu haben, dass Du vorher geschrieben hast.

Danke für diese Mail, es war heute das erste richtig Nette, was mir passiert ist. Aber Kommentare dazu gibt es jetzt nicht mehr, morgen muss ich sie mir noch einmal in Ruhe durchlesen.

Jetzt aber wirklich gute Nacht! :-*